Mittwoch, 4. September 2013

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heute ist ein ... schwieriger tag.
genau vor einem jahr ist meine mama gestorben. nach kurzer schwerer krankheit, wie man so sagt. am 29.12.2011 bekam sie die diagnose lungenkrebs gestellt, mit metastasierung, anfang 2012 wurden da dann viele tests gemacht, eine chemo wurde begonnen, abgebrochen, wochen später durch einen anderen arzt neu berechnet und durchgezogen... mit dem vorhersehbaren ergebnis, daß die erkrankung weiter fortgeschritten war. 
sie entschied sich gegen eine weitere chemo. wollte lieber die letzte zeit zuhause genießen, den sommer auskosten in ihrem garten und mit uns. 
sie hat noch ein riesiges fest gegeben, viele freunde und verwandte waren eingeladen und wir hatten einen wundervollen abend. 
wir hatten viele schöne abende in dieser zeit. und ganz viele schlimme momente, von denen hab ich ja schon berichtet. aber vor allem hatten wir eine schöne zeit, weil wir es wollten. wir haben es genossen, zusammen zu sein.
als es ihr dann schlechter ging, stellten wir ihr bett in den wintergarten und sie badete in der sonne. 
als es ihr noch schlechter ging, zog sie um in ein hospiz, und das war trotz aller schuldgefühle auf meiner seite die beste entscheidung jemals. dort blühte sie noch einmal auf, saß den ganzen tag im rolli im garten, ließ sich nach strich und faden verwöhnen und bekam viel besuch von lieben freunden. sie hat auch diese zeit genossen, fast schon gefeiert, jeder tag, an dem es ihr gutging wurde zum besten tag ihres lebens gemacht, durch sie, durch uns, durch die tollen menschen im hospiz.
sie sprach nicht über das sterben, sie sprach vom leben. nicht, daß ihr nicht bewusst war, was sich abspielte, sie wollte das sterben einfach noch nicht reinlassen. ganz simpel. sie erzählte mir, welche frisur sie sich schneiden lassen wollte, wenn ihr haar wieder länger wäre. sie plante sich ein dreiradfahrrad zu kaufen, weil sie auf normalen rädern immer so unsicher war und angst hatte. 
am vorletzten tag ihres lebens unternahm sie mit meinem kind 2 eine ausgedehnte entdeckungstour durch  das gesamte hospiz, dank aufzug und rolli war die tour wirklich sehr ausgedehnt... die beiden hatten einen heidenspaß.
und am tag danach, als es ihr nicht so gut ging und ich dachte, hoffentlich wird das alles nicht so ein schlimmer kampf wie bei meiner schwiegermutter, als sie nur im bett lag und mit geschlossenen augen unseren gesprächen zuhörte (und manchmal einen kommentar vom stapel ließ, der sofort klarstellte, daß sie nicht schlief...)
... da ist sie abends als alle weg waren, einfach gegangen. still und heimlich.


ich bin so froh, daß wir die zeit noch hatten. 
aber ganz ehrlich? 
ich will meine mama wiederhaben. jeden tag.
ich muß zum glück nicht mehr jeden tag heulen, ich kann auch schon lange wieder lachen, wenn ich an sie denke, und ich kann auch von ihr erzählen, ohne direkt zu weinen (außer jetzt gerade, aber sieht ja keiner), aber sie fehlt mir so unglaublich.


vielleicht gehe ich heute zum friedhof, aber dort fühle ich mich ihr eigentlich nicht nah. viel näher bin ich ihr hier im haus, wo sich ein ganz großer teil ihres lebens abgespielt hat, und im garten. also vielleicht gehe ich auch nicht zum friedhof. 
aber ich gehe gleich in den garten und hole äpfel rein und dann backe ich einen apfelkuchen nach ihrer erfindung und nachher kommen wir zusammen und essen den kuchen.
und dann wird sie bestimmt irgendwo auf einer lampe sitzen und uns zugucken.
ich liebe dich, mama.



Kommentare:

  1. Mir geht es wie Dir, obwohl meine Mama schon 21 Jahre tot ist. Sie fehlt mir noch immer... Ich weine ein wenig mit Dir mit.

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    1. ... und das tut ja manchmal wirklich am allerbesten, wenn man einfach leise verstanden wird... Drückdich!

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